Michael Sprenger: „ÖVP hinter der Nebelwand“

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(c) BKA, Christopher Dunker

Die ÖVP-Affäre bietet der Kanzlerpartei die Chance einer Neuaufstellung und eines umfassenden Selbstreinigungsprozesses.

Innsbruck, Wien (OTS) – Das Dilemma in der ÖVP ist offensichtlich. Doch von welcher ÖVP sprechen wir? Sebastian Kurz hat sich 2017 mit Beginn seiner Obmannschaft mit enormen Vollmachten ausstatten lassen. Damit war es ihm möglich, auf die alte ÖVP eine Hybrid-Partei zu setzen. Kurz’ Netzwerk war schon vor der Machtübernahme mit einer unvorstellbaren Energie am Werk. Die Kurz-Jünger übernahmen mit der Obmannschaft sodann die türkise Bundespartei. Mit Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe ist plötzlich die alte ÖVP erwacht und verfällt zugleich in Schockstarre. Ihr Garant für die Wahlerfolge der vergangenen Jahre ist plötzlich Beschuldigter in einer unsäglichen politischen Affäre. Ausgang offen.

Bis jetzt konnten die Länderobleute der ÖVP auf die Strahlkraft ihres Obmannes hoffen. Doch was jetzt? Im August wählten die Funktionäre Kurz mit 99,4 Prozent zum Obmann, vor wenigen Tagen, nach seinem Rücktritt als Kanzler, stimmte der gesamte Klub für Kurz und machte ihn zum Klubobmann. Keiner getraut sich offen gegen Kurz aufzustehen, es gibt auch keinen logischen Nachfolger. Die türkise ÖVP war und ist Kurz.
Während der gefallene Kanzler immer noch an ein Comeback glaubt, seine Getreuen eine große Verschwörung sehen, lichtet sich bei der schwarzen ÖVP langsam der Nebel. Statt einem Festhalten am türkisen Realitätsverlust werden dort Überlegungen angestellt, wie die Weichen auf Neuanfang gestellt werden können. Derzeit überwiegt das Prinzip Hoffnung: Der neue Kanzler Alexander Schallenberg soll die Koalition mit den Grünen stabilisieren. Es geht um Zeitgewinn. Vielleicht kann sich Schallenberg profilieren. Aber die charakterstarken Schwarzen wissen: An einer Neuaufstellung und einem Selbstreinigungsprozess kommt die Partei nicht vorbei.

Textquelle:  Tiroler Tageszeitung, APA OTS

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